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Version:1.0 StartHTML:0000000249 EndHTML:0000027221 StartFragment:0000002462 EndFragment:0000027185 SourceURL:file://localhost/Users/coolbook/Desktop/%20EL%20DIARIO%20FINAL%20VERSION%20JAN%202012/01%20Vorgeschichte/Das%20diario.Vorgeschichte1
Ana de Mendoza war eine Frau von herausragender Schönheit am Hofe Philipps II. von Spanien. Die Tatsache, dass sie eine schwarze Augenklappe tragen musste, tat dieser Schönheit und ihrer Wirkung auf Männer keinen Abbruch. Wie an vielen Sommertagen des Jahres 1577 zuvor saß sie im Turmzimmer der Residenz ihres verstorbenen Mannes und langweilte sich schrecklich. Sie wartete auf ihren Geliebten Antonio, der am späten Nachmittag zurück sein wollte, doch er schien sich verspätet zu haben und die drückend heißen Nachmittagsstunden flossen dahin, wie zäher Brei.
Um sich etwas zu zerstreuen, ging die Prinzessin zum Fenster ihres Ankleideraums im Turmzimmer, zog den schweren Vorhang zur Seite und öffnete das Fenster einen Spalt. Sie lauschte hinaus, über die grünen Hügel und Haine Kastiliens, in der Hoffnung den festen Schritt seines Braunen zu hören. Doch da war nichts, kein Geräusch in der platten Nachmittagshitze, nicht einmal der Gesang der Lerche, die sich in den Himmel schraubte, nur Stille und Hitze, die so komprimiert war, dass sie kurz davor war, zu einem tiefen, kaum hörbaren Sub-Ton zu mutieren, der über die klirrende Landschaft schwebte.
Unten, vor dem Eingangstor, wo der steinige staubige Weg von Pastrana herauf endete, stand ein Wachposten, der sich gerade die Kopfbedeckung abgenommen und sein Gewehr an die Mauer gelehnt hatte. Er hob den muskulösen, dunkel gebräunten rechten Arm, um sich den Schweiß von der heißen Stirne zu wischen. Er war ein hübscher Kerl mit braunen Locken. Für einen kurzen Moment hatte Ana den Eindruck, als schaue er zu ihr herauf. Doch in der nächsten Sekunde schalt sie sich eine Närrin. Wie sollte das möglich sein, da er dazu in die schräg über ihm stehende Nachmittagssonne hätte blicken müssen, die unbarmherzig auf die Südseite des Innenhofes brannte. Er sah zweifellos in ihre Richtung, doch er war geblendet, als ob man ihm ein glühendes Stück Stahl in die Augen gestoßen hätte.
Der junge Soldat war offenbar allein auf Posten. Von seinem Kollegen war weit und breit nichts zu sehen. Auch die übrigen Bediensteten der Fürstin, die sonst kreuz und quer schnatternd über den Hof liefen, hielten sich zu dieser Nachmittagsstunde lieber in der Küche oder den Gesinderäumen auf, als in dem Glutofen des Residenzhofes. Außerdem waren zahlreiche Vorbereitungen für das am Abend geplante Fest zu treffen.
Für einen kurzen Augenblick stellte sie sich vor, wie sich der Soldat seiner Unformjacke entledigte, um seinen braunen, durchtrainierten Oberkörper von den Sonnenstrahlen streicheln zu lassen. Ohne zu wissen, was sie tat, wanderte ihre rechte Hand unter ihre Röcke und zwischen ihre Schenkel. Ihr Atem begann schneller und stoßweise zu gehen, während ihr Körper sich rhythmisch vor und zurück bewegte, begierig, den heimlichen Besucher, der wie ein räudiger Hund die Spur zu ihrer Tür gefunden hatte, in sich aufzunehmen. Sie lachte laut und zügellos, als sie sich vorstellte, wie ihre zahlreichen Liebhaber vor ihrer Tür Schlange gestanden und nur auf ein Zeichen gewartet hatten, die schier unendlich scheinende Lust der Fürstin zu befriedigen. Man erzählte sich bei Hofe, dass sogar der König selbst einen seiner berühmten handschriftlich verfassten Zettel an sie geschickt haben soll. Doch dieser Liebesbrief war vermutlich nur eine Fälschung Anas gewesen, mit der sie Elisabeth von Valois irritieren wollte.
Mit einem flüchtigen Blick zur Tür ordnete sie ihre Röcke und setzte sich vor den Spiegel ihrer Frisierkommode. Schnippisch zuckte sie mit den Schultern und schob kurz entschlossen den Gedanken an den Wachsoldaten, der ohnehin nichts als ein Werkzeug zur Zerstreuung ihrer unendlichen Langeweile gewesen wäre, beiseite. Sie zog es vor, auf Antonio, ihren Geliebten zu warten, um ihn mit ihrer ungeteilten Leidenschaft zu verwöhnen.
Antonio Perez del Hierro war seit 1576 ihr ständiger Begleiter auf allen festlichen Anlässen des imperialen Madrid, was ihm die Tür zu wichtigen gesellschaftlichen Kontakten geöffnet hatte. Vom Charakter her war Antonio intrigant, wie sie selbst und damit ein perfekter Partner der leidenschaftlichen, hochmütigen und flatterhaften Prinzessin. Darüber hinaus war er äußerst ehrgeizig und erfolgshungrig. Merkwürdigerweise war er trotz alledem neidisch auf Erfolge anderer und hatte ein gestörtes Selbstbewusstsein. Mancher seiner Zeitgenossen führte diese Unsicherheit auf die Tatsache zurück, dass er ein Bastard war. Er war unehelich gezeugt und erst 1542 durch Karl V. als Sohn des Gonzalo Gomez legitimiert worden.
So, wie die Prinzessin, hatte auch Antonio seine Geheimnisse. Eines davon war die Führung eines Tagebuchs. Dieses diario war jedoch kein gewöhnliches Tagebuch, sondern eine Sammlung von hunderten von Zetteln auf denen er, mit Angabe des Datums, die Verfehlungen von herausragenden Mitgliedern der spanischen Gesellschaft und führenden Köpfen der spanischen Krone festhielt. Dabei wurde niemand verschont. Selbst Priester und Würdenträger der katholischen Kirche tummelten sich dort.
Ana de Mendoza hatte durch Zufall Teile seiner Aufzeichnungen in einem seiner Rockschöße gefunden. Die Namensliste las sich wie ein ?who is who? der höfischen Gesellschaft Philipps II. Sie war einerseits amüsiert über den Inhalt der peinlichen Geschichten, auf der anderen Seite fragte sie sich, welchen Zweck Antonio Perez mit diesen Tagebucheintragungen bezweckte. Ausgerechnet Antonio, der selbst schon für hoheitliche Dienste die Hand aufgehalten hatte und auch sonst kein Kind von Traurigkeit war, wenn es um eine Karrierehilfe für Söhne seiner adeligen Freunde ging, beschäftigte sich mit der Aufzeichnung von Untaten seiner Zeitgenossen. Dass er dies nicht aus Zeitvertreib oder aus schriftstellerischen Ambitionen heraus tat, war ihr klar. Noch unwahrscheinlicher war die Annahme, er tue dies, um der Nachwelt ein möglichst naturgetreues Bild von den Zuständen am Hofe des Herrschers eines Reiches zu vermitteln, in dem Sonne niemals unterging. Vermutlich stellte dieses Tagebuch für ihn eine Art Lebensversicherung im Dschungel der höfischen Intrigen dar. Sie nahm sich vor, Antonio darauf anzusprechen, schon allein, um herauszufinden, ob auch über sie Aufzeichnungen existierten(was sie nicht einmal verwundert hätte).
Ana fiel der Wachsoldat wieder ein. Sie stand auf und ging zum Fenster. Durch einen Spalt des Vorhangs blickte die Prinzessin neugierig in den Hof hinunter. Die Sonne war weiter gezogen und hatte das Tor zur gräflichen Residenz in ein hellgraues Schattenkleid gehüllt. Davor saß ein kleiner, dicklicher Soldat in weit geöffneter Uniformjacke und stopfte sich mit seinen kurzen, kräftigen Fingern gierig Hühnerteile und Kartoffeln aus einem Henkeltopf in den Mund. Zwischendurch hielt er inne und ließ einen kräftigen Rülpser aus seinem Bauch aufsteigen, um anschließend neue Hühnerschenkel in Angriff zu nehmen.
Ärgerlich zog Ana den Vorhang vor. Wieder hatte sich die Weisheit bewahrheitet, das Leben gehörte nur den Entschlossenen, nicht den Zögerern und Zauderern. Wenn man eine Idee nicht sofort umsetzte, war der Moment des Machbaren meistens schon vorbei. Das Leben ist zu kurz, um Chancen so einfach wegfliegen zu lassen.
Es klopfte heftig, fast fordernd an der Tür. Das musste jemand sein, der es eilige hatte oder der nicht mehr warten konnte. Eigentlich hatte Ana um diese Stunde ihre Ankleidedame erwartet, um die Langeweile zu vertreiben und die Garderobe für den heutigen Abend mit ihr zu besprechen. Oder sollte gar Antonio schon zurück sein? Ein heißes Gefühl der Erwartung stieg in ihrer Brust hoch und breitete sich rasch im ganzen Körper aus.
?Entré?, rief sie und warf spontan einen raschen, kontrollierenden Blick in ihren Ankleidespiegel.
Zögernd öffnete sich die Tür ihrer Kemmenate.
Das jungenhafte Gesicht von Juan Escubedo schaute durch einen Spalt herein. Ana war überrascht, da sie Juan schon eine Weile nicht gesehen hatte. Seitdem sie mit Antonio zusammen war, hatte er sich rar gemacht. Früher waren er und Antonio Perez oft in der Gesellschaft ihres Mannes, des Fürsten von Eboli gewesen, der sich gerne mit jungen Männern umgeben hatte. Ana hatte damals mit allen Schützlingen ihres Mannes geschlafen, mit Ausnahme von Antonio Perez und Juan Escubedo, mit Juan nicht, weil er ihr zu schüchtern und unterentwickelt vorkam und mit Antonio nicht, weil er ihr schamlos vor allen Leuten den Hof gemacht hatte. Sie suchte sich nun einmal gerne ihre Opfer selbst aus.
?Seit wann besitzt Ihr die Kühnheit, bis in das Schlafzimmer einer Hofdame vorzudringen?? fragte sie keck.
?Ihr müsst schon entschuldigen, hoch verehrte Prinzessin, aber es gab in letzter Zeit kaum noch Gelegenheit, mit Euch alleine zu sprechen,? antwortet Juan und trat ins Zimmer. Er schloss die Türe leise hinter sich, nicht ohne noch einmal zurück zu schauen, ob ihm jemand gefolgt war.
?Ich dachte, zwischen uns seien die Fronten für immer geklärt, Juan?? fragte Ana, mit einem leisen Unterton des Missfallens.
Juan stand etwas verloren in der Mitte des weiträumigen Ankleidezimmers der Prinzessin, was die Wirkung seiner Hilflosigkeit noch unterstrich.
? Obwohl Euch die Blumen und Gedichte als Zeichen meiner Liebe zu Euch gefallen hatten, habt Ihr nie ein Wort der Anerkennung an mich verschwendet. Im Gegenteil, ihr habt mich gedemütigt, indem Ihr nach dem Tod Eueres Gemahls einen anderen zu Euerem Liebhaber gemacht habt. Drei Jahre Convent hätten Euch eigentlich klar machen müssen, dass ein Bastard wie Antonio Perez die falsche Wahl ist. ?
Ana sah erschrocken auf. Das war überdeutlich. Diese plumpe Ausdrucksweise missfiel ihr in höchstem Maße. Gleichzeitig war sie verwundert über seine Aggressivität. Er war immer ein zurückhaltender Verehrer gewesen, der sie niemals in peinliche Situationen gebracht hatte. Was war nur in ihn gefahren?
?Ich höre wohl nicht recht. Ihr macht mir Vorwürfe wegen Antonio? Ist es nur Euere blinde Eifersucht, die Euch so in der Wahl Euere Worte vergreifen lässt, oder steckt da noch etwas anderes dahinter??
Escubedo zögerte. Hektische rote Flecken auf seinen Wangen ? offenbar eine ererbte Schwäche - zeigten deutlich seine Erregung.
?Seitdem er das Vertrauen des Königs besitzt und in der Gesellschaft Madrids herumgereicht wird, sieht er sich offensichtlich als aufgehender Stern, dessen ehrgeizigen Zielen nach oben keine Grenzen gesteckt sind,? brummte Juan vor sich hin.
?Nun, Antonio ist immerhin Sekretär des Staatsrates Philipps II. und führender Kopf der Ebolista-Partei,? erwiderte Ana, in dem Versuch etwas Normalität in das Gespräch zu bringen, auch wenn es ihr unangenehm war. ?Er ist in den letzten Monaten zu einem der einflussreichsten Berater des Königs herangereift. Insoweit ist seine Erwartungshaltung wohl berechtigt.?
Escubedo schüttelte den Kopf.
?Schon mancher Emporkömmling ist über seinen eigenen Dünkel gestürzt. Antonio Perez wird es ebenso gehen. Ausgerechnet er, der, wie ich, Protégé des Fürsten zu Eboli war, der mit mir die angesehendsten Universitäten Europas besucht hat, hat mich als Freund verraten. Er hat mich über Euch ausgefragt und mir die intimsten Geheimnisse meines Herzens entlockt, um mich schließlich bei Euch auszustechen. Genauso skrupellos treibt er seine Karriere voran, indem er versucht mögliche Konkurrenten, wie mich, schon frühzeitig aus dem Weg zu räumen. Da kam ihm der Auftrag des Königs, jemanden als Aufpasser für seinen Stiefbruder Juan de Austria zu finden. Kein Wunder, dass er sofort auf mich kam, denn der König würde mich dazu nach Flandern schicken, weit weg vom spanischen Hof.?
Ana fuhr langsam mit einem Kamm durch ihr Haar, das in geschmeidigem Bogen auf ihre Schultern fiel. Nach außen erschien sie kühl, doch innerlich überlegte sie verzweifelt, wie sie diese peinliche Situation beenden konnte, bevor Antonio eintraf. Wenn die beiden im Streit auf einander trafen, konnte alles passieren.
?Wenn es am Hofe Philipps II. üblich ist, dass sogar die engsten Vertrauten und Familienmitglieder des Königs von einem Heer von Spitzeln überwacht werden, so ist bedeutet das nicht, dass ich mich für so eine Aufgabe eignen würde. Außerdem würde ich mich dafür nicht hergeben, da ich Juan de Austria für einen großen Staatsmann und nicht erst seit der Schlacht von Lepanto für einen bedeutenden Feldherrn halte. Auch könnte jemand, der Interesse daran hat, mir zu schaden, dem König das Gerücht zuspielen, ich paktiere mit Don Juan de Austria gegen den König. Wer weiß schon, wessen Spione zu selben Zeit mich bespitzeln??
?Nun,? antwortete Ana,? der König wird schon wissen, warum er einen Aufpasser für seinen Stiefbruder braucht. Es gibt immer wieder Gerüchte, dass Juan Maria Stuart von Schottland heiraten will. Das kann Philipp machtpolitisch natürlich nicht gefallen.?
?Gerüchte...das wird alles etwas überbewertet,? erwiderte Escubedo. ? Juan de Austria hat in diesem Jahr das Ewige Edikt mit den Generalstaaten geschlossen, was den Abzug der spanischen Truppen, die Akzeptanz des Generalgouverneurs und des katholischen Glaubens in Flandern beinhaltet. Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, vor allem wenn man bedenkt, dass in Flandern schon mancher bedeutende Politiker, wie zum Beispiel der Herzog von Alba, gescheitert ist. Dieses Land zu befrieden wird Juan de Austria keine Zeit geben, sich mit Abenteuern auf den britischen Inseln zu beschäftigen.?
Escubedo wandt sich zum Gehen.
?Ich habe verstanden. Doch Antonio sollte es nicht zu weit treiben. Auch wenn ich in Flandern sein werde, werde ich ihm auf die Finger schauen, und wenn er seine Geschäfte mit den Rebellen zu doll treibt, werde ich nicht zögern, den König einzuweihen.?
Escubedo hob warnend den Zeigfinger der rechten Hand. Mit diesen Worten zog er die Tür von Ana´s Gemach deutlich hörbar zu.
Am Ostermontag, den 31.März 1578 wurde der Sekretär Don Juans schließlich - nach mehreren Versuchen, ihn zu vergiften - auf einem Spazierritt durch die engen Gassen Madrids von angeheuerten Mördern erstochen. Sofort begann die Gerüchteküche zu brodeln. Mateo Vasquez, Privatsekretär des Königs und Rivale von Antonio Perez sowie der Herzog von Alba hetzten den König auf und beschuldigten Perez des Mordes an Escubedo. König Philipp II. weigerte sich zunächst, zu glauben, dass Perez der Täter sei, ließ sich aber zu einer Untersuchung in dieser Sache überreden. Im Jahr 1579 wurden Perez schließlich, trotz der Fürsprache des Erzbischofs, verhaftet und ins Gefängnis geworfen.
Seine Haftbedingungen waren zunächst recht milde gewesen, da man fürchtete, er habe Papiere in seinem Besitz, die für den König diskriminierend seien. Er wurde zunächst nur wegen Verkauf von Posten, Annahme von Bestechungsgeldern und Verrat von Staatsgeheimnissen angeklagt. Das aber waren genau die Delikte, die er hohen Beamten des Königs vorwarf. Perez hatte Tagebuch geführt über das Treiben der feinen Hofgesellschaft Philipps II. und genauestens festgehalten, wer wen durch Verrat, üble Nachrede, Meineid oder gar Mord ausgeschaltet hatte, wer aufgrund von Bestechungsgeldern Aufträge erteilt und wer heimliche Kontakte zu protestantischen Fürstentümern oder ausländischen Botschaften unterhalten hatte.
Pikanterweise enthielt dieses Buch auch Informationen über private Verfehlungen von hohen Kirchenführern bis hinein in die Inquisitionstribunale. Es wird von Fällen berichtet, in denen familiares, die von Kriminalgerichten eindeutig schwerer Verbrechen überführt worden waren, nicht verurteilt wurden, da sie sich auf die Zugehörigkeit zur Inquisition beriefen sowie von Fällen, in welchen jüdisch-stämmige oder maurische Familien in Andalusien oder Portugal nur deshalb ausgerottet wurden, weil die Inquisition ihr Vermögen konfiszieren wollte.
Da bei Hofe mit sehr hohen Einsätzen gespielt wurde und Verrat aus Neid, Eifersucht oder Habgier an der Tagesordnung war, sollte das ?diario? für Pérez vermutlich eine Art Lebensversicherung darstellen. Doch er hatte nicht mit der Akribie der höfischen Justiz, dem Zorn des hintergangenen Königs, dem Hass seiner Rivalen und der Rache der Revenues, die er früher irgendwann einmal schlecht behandelt hatte, gerechnet.
1588 wurde er wegen Mordes an Juan Escobedo angeklagt, den er zwei Jahre später auf der Folter gestand. Nach seinem Geständnis konnte ihm auch der Erzbischof Quiroga, der ihn zuvor ständig in Fragen der Verteidigungstaktik vor Gericht beraten und ihn von allen Schritten des königlichen Rates in seiner Sache vorinformiert hatte, nicht mehr helfen. So blieb ihm nur noch die Flucht. Im April 1590 floh er aus dem Gefängnis und entkam mit Hilfe von Sympathisanten in hohen Ämtern über die Grenze nach Aragon, wo die kastilischen Autoritäten keine Macht mehr hatten. Als der Druck auf Aaragon immer stärker wurde, floh er nach Paris, wo er 1611 im Exil starb.
Das ?diario? aber, zusammen mit allen beweiskräftigen Dokumenten und Anlagen, führte er immer bei sich. Es ging nach seinem Tod in den Besitz seines einzigen Sohnes Alonso Perez über, der später, wegen des schlechten Rufes, in welchen der Name Perez gekommen war, den Namen seines Großvaters, des Grafen Alonso deVargas angenommen hatte.
In seinem Schlusswort hatte der Autor vor der Lektüre dieses Werkes gewarnt, da es Begehrlichkeiten wecken könnte, weitere Untaten zu begehen. Zwar habe bei Hofe niemand Interesse daran, diese Taten aufzuklären, da eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, doch eines Tages käme ein mutiger, junger Mann aus den Bergen in die große Stadt, der die hier beschriebenen Schandtaten eines mächtigen Mannes aufdecken und rächen würde. Und es würde gleich einem Erdbeben durch das ganze Land gehen.
WIE KANN DAS SEIN?
Wenn ich an Guido Westerwelle denke, dann befällt mich immer so ein Gefühl aus "Bewunderung" und "Ängstlichkeit" :)
18.JAN12/
Jetzt wissen wir endlich, warum el capitano nicht auf seinem Platz auf der Brücke war,um die Rettung zu organisieren:
--er hatte ein bisschen gefeiert und getrunken
-- mit einer moldawischen Bekannten
--und war aus Versehen in ein Rettungsboot gefallen... wie kann das sein?